In der Welt der Werkstoffe

In der Welt der Werkstoffe

Von der Lagunenstadt Venedig über die Felder von Lodi Vecchio – Daniela Mazza war an vielen Orten in Italien tätig. Inzwischen arbeitet die Werkstoffexpertin bei Trelleborg und perfektioniert als Teil des Innovations & New Developments Teams die Qualität von Druckverfahren.

Sich wie Daniela Mazza Tag für Tag mit dem Periodensystem herumzuschlagen, ist nicht jedermanns Sache, aber die Chemie ist ihre große Leidenschaft. Ihr jugendliches Aussehen täuscht über ihre fast 15 Jahre Erfahrung hinter dem Mikroskop hinweg. Bevor sie zu Trelleborg Coated Systems kam, arbeitete sie zuerst bei Pirelli, danach in der Automobilindustrie und anschließend bei einem Gummihersteller, bei dem sie mit vielfältigen Anwendungen in Kontakt kam – von Dichtungsprodukten über Elektronikerzeugnisse bis hin zu zu Elektrogeräten.

Vor drei Jahren beschloss Mazza, sich auf Drucklösungen zu konzentrieren. Es war ein Aufbruch aus ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld. „Abgesehen von Pirelli hatten die Unternehmen, bei denen ich angestellt war, ihren Sitz in Italien“, erklärt sie. „Trelleborg reizte mich, weil es ein internationales Unternehmen ist und mir die Möglichkeit bietet, mich beruflich weiterzuentwickeln. Ich habe mich schon immer mit der chemischen Analyse von Gummi beschäftigt, aber die detaillierten Untersuchungen und Qualitätsanforderungen für Drucktücher haben mich wirklich beeindruckt. Das habe ich so noch bei keiner anderen Anwendung erlebt. Hier arbeiten wir in der Größenordnung von 100 Mikrometern oder darunter.“ 

Ein Drucktuch, bestehend aus Gummilagen mit dazwischenliegenden Gewebeschichten, ist ein kritisches Element im Offsetdruck, da es ein Motiv von einer Druckplatte auf eine Oberfläche überträgt. Inzwischen werden zunehmend auch andere Substrate wie Metalldosen (zwei- und dreiteilige) oder Kunststoff bedruckt, wobei jedes Material seine eigenen Herausforderungenmit sich bringt.

„Bei der Druckwiedergabe ist Perfektion extrem wichtig“, erklärt Mazza. „Der Druck ist nicht tot. Er ist lebendig und inspirierend, aber die Anforderungen haben sich geändert. Ja, es stimmt – die Mengen sind rückläufig. Hingegen kommt es immer öfter auf Makellosigkeit an. Es ist wie bei einem Diamanten: Schon der kleinste Einschluss macht die Qualität zunichte.“

In den komplexen Teilen eines Drucktuchs hat der Gummi in der oberen, mittleren beziehungsweise unteren Lage verschiedene Funktionen. Er sorgt zum Beispiel für chemische Beständigkeit oder Kompatibilität mit verschiedenen Druckfarben und mechanischen Funktionen.

Mazza liebt ihre Arbeit. Besonders gern löst sie knifflige chemische Probleme. Aber auch ihre Rolle als Ansprechpartnerin für Lieferanten von Rohkautschuk für Drucklösungen bereitet ihr Freude. Hierbei muss sie dafür sorgen, dass die gelieferten Werkstoffe die Standards einhalten und vor allem die Bedürfnisse von aktuellen und zukünftigen Anwendungen erfüllen.

Vor Kurzem unterstützte Mazza japanische Druckunternehmen: „Japan ist weltweit das Land, das die höchsten Anforderungen an die Druckqualität stellt. Wir erhalten oft Feedback von unseren Vertragshändlern, die unsere Lösungen vertreiben. Sie sind täglich in Druckereibetrieben und berichten von Ergebnissen, Vorzügen und Erfolgen. Manchmal weisen unsere japanischen Händler auf einen Mangel im Druck hin, aber der ist meist so klein, dass man ihn nur unter der Lupe erkennt.“ 

Dann setzen Mazza und das R&DTeam eine Untersuchung in Gang. Der Makel könnte durch eine Komponente oder Funktion des Drucktuchs oder dessen Chemikalien verursacht worden sein. 

„Wir prüfen jeden Aspekt des Drucktuchs digital und chemisch, um die Ursache zu ermitteln. Was wir dabei von den Druckern lernen, die diese ultimative Druckqualität verlangen, wird auf unser gesamtes Lösungsangebot angewandt, um die Qualität unserer Produkte für alle Druckunternehmen zu verbessern. Gelegentlich führen solche Untersuchungen zur Entwicklung eines neuen Werkstoffs, einer Produktprüfung oder einem Validierungsverfahren. Dies ist ein wichtiger Bestandteil unseres kundenorientierten Ansatzes: Wir kümmern uns wirklich um die Bedürfnisse von Druckunternehmen, um ihr Geschäft voranzutreiben.“

Als Mitglied des Werkstoffentwicklungsteams wirkt Mazza auch an konzernübergreifenden Werkstoffinitiativen im Gummibereich mit: „Ich bin an der Integration und Abstimmung von Prozessen zwischen unserem Betrieb hier und unserer übernommenen Drucktuchproduktion in Slowenien sowie an Projekten in Schweden beteiligt.“

Ein weiteres wichtiges Thema ist für Mazza der Trend zu umweltfreundlicheren Lösungen, die besonders in China eine große Rolle spielen, weil dort bestimmte Chemikalien in Druckprozessen gesetzlich verboten werden.

„Früher wurden beim Drucken ziemlich unangenehme Chemikalien eingesetzt, aber im Laufe der Jahre konnten viele davon eliminiert werden“, erklärt sie. „Bei unseren eigenen Prozessen gehören wir zu den Vorreitern dieses Nachhaltigkeitstrends. Als einer der ersten Drucktuchhersteller haben wir eine lösungsmittelfreie Roller-Head- Anlage eingeführt. Das hat nicht nur unser Fertigungstempo und unsere Produktqualität erhöht, sondern ist auch eine wesentlich umweltfreundlichere Lösung. Um den Anforderungen – vor allem in China – gerecht zu werden, sorgen wir dafür, dass alle unsere Produkte den derzeitigen und zukünftigen Standards entsprechen. Eventuell müssen wir zu diesem Zweck die Zusammensetzung einer Mischung ändern. Mit einer veränderten Formel die gleiche Leistung zu erzielen, kann eine echte Herausforderung sein, aber es ist eine sehr wichtige Arbeit.“