Claus Christmann, Kartoffelbauer

Claus Christmann, Kartoffelbauer

Produktions-Know-how entscheidet über Kartoffelpreis

Wer mit Sonderkulturen wie dem Anbau von Speisekartoffeln Geld verdienen will, muss sein andwerk beherrschen - die Basis dafür schafft das richtige Werkzeug. Für Gerhard und Claus Christmann sind beispielsweise die Pfegebereifung der Traktoren ein ganz wesentliches Element.

Es macht schon einen Unterschied, ob man Kartoffeln für zwei Euro pro Dezitonne im Spätherbst verramschen muss, oder ob sie einem für zehn Euro und mehr im Juni verkauft werden. Für eine gute Ernte ist jedenfalls mitnichten alleine der Ertrag pro Hek­tar entscheidend – letzterer schwankte innerhalb der letzten zehn Jahre auf den Christmann´schen-Flächen in der Rheinebene vor den Toren von Worms zwischen 34,6 und 49 Tonnen. „Die Erlösspanne ist mit 3 800 Euro pro Hektar im schlechtesten und 9 700 Euro pro Hektar im besten Jahr mehr als doppelt so groß“, erläu­terte Gerhard Christmann was der Computer auf einen Click of­fenbarte. Das Büro ist im Altgehöft mitten in der Ortschaft Biblis- Nordheim untergebracht, in dem bis vor ein paar Jahren noch die Fresser aufgezogen wurden, bis sie in den 100er-Endmaststall auf dem etwa 400 Meter Luftlinie entfernten neuen Betriebsteil mit direktem Anschluss an die Feldflur umzogen.

Neue Halle mit PV-Anlage

Obwohl Familie Christmann was die Bullenmast betrifft ein über die hessischen Landesgrenzen hinaus bekannter Vorzeigebetrieb gewesen ist, entschied man sich vor knapp zehn Jahren diesen Betriebszweig aufzugeben. Juniorchef Claus: „Im Grunde ist schon seit längerem bei der Mast am Ende unter dem Strich nur immer die Bullenprämie übrig geblieben. Und nachdem im Rah-men der Agenda 2000 die Tierprämie auf die Fläche umgelegt worden ist, machte es für uns einfach keinen Sinn mehr, Bullen zu halten. Nach reiner Beschäftigungstherapie stand uns jedenfalls nicht der Sinn.“ Man konzentrierte sich seitdem ausschließlich auf den Ackerbau, und dabei vor allem auf die Erzeugung von Speisekartoffeln im frühen und mittleren Segment. Von den 120 Hektar Betriebsfläche sind nur 3,5 Hektar nicht um­brechbares Grünland, alles andere kann ackerbaulich genutzt werden. In diesem Jahr stehen auf 46 Hektar Kartoffeln. Gerhard Christmann: „Das Speisekartoffelgeschäft ist schon auch etwas ganz Diffiziles. Und da meine ich nicht nur die rein pflanzenbau­lichen Aspekte. Wer zuerst kommt, malt zuerst – sprich, wer mit den ersten neu-erntigen Kartoffeln auf den Markt kommt, der be-kommt die besten Preise. Wir haben uns allerdings ganz bewusst bislang gegen das Anbauen unter Folie entschieden. Wir könnten dann zwar noch ein paar Wochen früher neue Kartoffeln anbieten, aber der Aufwand dafür wäre für unseren Betrieb unverhältnismä­ßig hoch. Wir müssten zusätzlich in Technik investieren und wür­den mehr Personal benötigen.“ Dank der entsprechenden Sortenwahl und die günstigen Klima­bedingungen in der Rheinebene – der Fluss fließt fast in Stein­wurfnähe vorbei – können die Christmann´s die ersten Kartoffeln schließlich auch schon ab Mitte Juni roden. Zuerst kommen die frühen Sorten Alexa, Antonia, Gala und Miranda, dann die mittle­ren wie Marabel oder Toskana. Die erst im letzten Jahr fertig gestellte neue, 44 x 22 Meter lange Satteldachhalle sowie der ausgekernte ehemalige Bullenmast­stall würden vermuten lassen, dass die Erntemenge von 2 000 Tonnen zwischengelagert werden muss, aber weit gefehlt! Claus Christmann: „Wir haben uns mit dem Ein- und Auslagern der Kartoffeln einmal die Finger verbrannt – wer dafür nicht wirklich entsprechend technisiert ist, der sollte die Finger davon lassen. Die absolute Grundvoraussetzung ist eine leistungsfähige Küh­lung.“
In der neuen Halle, dem ehemaligen Stall und noch einer auch gut 30 Meter langen Pultdachhalle ist nur der auf den ersten Blick überdimensionierte Maschinenpark untergebracht.

Vier Fendt-Traktoren

Für 120 Hektar vier Traktoren, der größte davon ein Fendt 818, gefolgt von einem 414 und einem 411 – dazu kommen noch ein Farmer 104 S. Drei Zweiachs-Anhängerzüge, ein Rabe-Fünfschar- Volldrehpflug mit Crackerbord, ein aufgesattelter Lemken-Fünf­meter-Grubber, ein Köckerling-Fünfmeter-Grubber, eine Lemken- Egge Korund, eine Amazone-21-Meter-Anhängespritze, ein aufgesattelter Amazone-Zweischeibenstreuer, eine Dreimeter­Kreiseleggen-Drillkombi, ein vierreihige Pflanzmaschine von Has-sia, eine Front-Kreiselegge mit Dammvorformer und ein Grimme- Dammformer sowie mehrere Beregnungsmaschinen runden den Fuhrpark ab.

Was einem Agrarökonomen bei dieser Aufzählung vielleicht schwindelig werden lässt, macht für Claus Christmann nicht nur Sinn, sondern sei für die speziellen Anforderungen eines Sonder­kulturanbauers Mindestausstattung. „Alle unsere Kartoffeln gehen an den Großhändler Udo Müller in Worms. Dieser lässt im Auftrag bei Packbetrieben die Kartoffeln abpacken und beliefert Lebens­mittelketten wie Aldi, Edeka oder Rewe. Da er auch noch zusätz­lich Kartoffeln an Packbetriebe weiterverkauft, reden wir von einem Geschäft auf Zuruf. Uns wird am Abend signalisiert, dass am nächsten Tag ein Zug angeliefert werden soll, also rund 25 Tonnen, und dies so ziemlich auf die Stunde genau. Es kann dann aber durchaus passieren, dass es am Ende von diesem Tag je­doch vier Züge waren. Es ist nicht selten, dass wir in der Ernte­kampagne täglich zehnmal und mehr mit dem Disponenten bei Müller telefonieren. Schließlich koordiniert dieser auch den Loh­nunternehmer mit den Selbstfahrern. Wenn es knäult, steht dieser dann sogar mit zwei Zweireihern bei uns auf dem Acker. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass pro Maschine vier Helfer benötigt werden zum Sortieren, dann wird vielleicht das Ausmaß der hinter der ganzen Sache steckenden Logistik deutlich – und warum wir im vergangenen Jahr sogar unseren dritten An­hängerzug gekauft haben.“

Überzeugter Trelleborg-Kunde

Beim Betriebsrundgang fällt auf, dass mit Ausnahme der Anhän­ger eigentlich alle Fahrzeuge und Maschinen mit Reifen der Marke Trelleborg bestückt sind. Darauf angesprochen, kommt Claus Christmann regelrecht ins Schwärmen, was die Qualitäten der Produkte dieses Herstellers betrifft. „Wir selbst, aber auch unsere Berufskollegen hier im Umfeld haben Erfahrungen mit den ver­schiedensten Premium- und Low-Cost-Marken über die Jahre sammeln können, und dies teils im direkten Vergleich. Nehmen wir nur einmal die Pflegebereifung. Unser 411er ist seit der ver­gangenen Saison hinten mit 270/95 R 48 von Trelleborg, den TM 100 und der passenden Vorderachsbereifung im Grunde ganzjäh­rig bestückt. Da wir diese Räder gleichzeitig auch noch als Zwillinge fahren können, sind in dem einen Jahr schon mehr als 1 000 Betriebsstunden zusammen gekommen.“ Vater Gerhard präzisiert diese Leistung: „Der Sonderkulturanbau bringt schon einen extremen Aufwand mit sich, wenn man sich vergegenwärtigt, wie oft wir auf den Acker müssen. Nach der üblichen Bodenbearbeitung und dem Stecken der Kartoffeln fa-hren wir einmal zum Dammformen in den Bestand. Zwei- bis drei-mal Düngerstreuen, einmal Herbizid- und fünf- bis sechsmal Fungizid-Spritzen, drei- bis viermal Beregnen sowie ein- bis zwei-mal zur Abreife Spritzen oder statt dem zweiten Mal spritzen das Kraut-schlegeln, und dazu noch bis zu 120 Kilometer pro Tag auf der Straße, da die Kartoffelflächen in einem Radius von gut 20 Kilometer um den Betrieb verteilt liegen.“

Dazu muss man wissen, dass durch die Nematodenbedrohung Kartoffeln allenfalls nach vier Jahren wieder auf der gleichen Flä-che gepflanzt werden sollen – wenn möglich wäre sogar noch eine weitere Fruchtfolge wünschenswert. Deshalb tauschen die Christmann´s Anbauflächen mit ihren Berufskollegen im Verhältnis eins zu eins – müssen dafür jedoch die weitere Hof-Feld-Entfer­nung in Kauf nehmen.

„Und vor allem auf der Straße sticht der TM 100 alle bislang ge­fahrenen Fabrikate bei weitem aus. Er läuft viel stabiler bei höherer Fahrgeschwindigkeit, das Verschleißbild ist wesentlich gleichmä­ßiger und der Abnutzungsgrad definitiv geringer. Dazu kommt, dass die Zugleistung sowie das Selbstreinigungsverhalten auf dem Acker deutlich besser sind.“ Dass die Maschinen von Lemken oder die Roder von Grimme mit Trelleborg-Reifen bestückt seien, darauf hätten sie keinen Einfluss genommen. Die sei ausschließlich Werksverträgen zwi-schen diesen Herstellern geschuldet. Worauf nicht nur sie selbst, sondern die meisten Berufskollegen in der Region drängen wür-den, sei jedoch, dass ein neuer Traktor vom Werk mit Trelleborg- Reifen geliefert wird. „Man muss sich nur einmal die Reifen von unserem 818er oder dem 414er ansehen. Trotz des hohen Stra-ßenanteils haben die 650/65 R 42 hinten und 540/65 R 30 vorne beim großen Traktor nach 3 000 Betriebsstunden immer noch mehr als 60 Prozent Restprofil. Beim Kleinen lassen sich bei den 600/65 R 38 hinten und 540/65 R 24 vorne selbst nach 4 000 Stunden immer noch gut 50 Prozent der Stollen-höhe nachmessen. Die Laufleistung der Trelleborg-Reifen ist im Vergleich mit anderen Fabrikaten unter den hiesigen Ver-hältnissen absolut überragend. Dafür können auch unsere Berufskollegen mit denen wir zusammen arbeiten ein Zeug-nis ablegen, sie schwören alle auf Trelleborg-Reifen, wenn es um die Laufzeit geht“, betont Claus Christmann, hängt aber gleich noch abschließend an: „Damit die Reifen eine so hohe Lebensdauer erreichen, muss man allerdings als Besitzer schon auch das Seine dazu beitragen. Wir passen den Fülldruck der Reifen bei Straßen- und Feldarbeiten sehr konsequent an. Dies gilt sogar für die Pflegebereifung der Pflanzenschutzspritze.“

PDF herunterladen


PDF herunterladen
PDF herunterladen